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Backups für Fotografen Teil 2 – Software und Tools

Im letzten Blogpost zu dem Thema habe ich recht viel Zeit darauf verwendet zu erklären, warum man keine Raid-Systeme als Backup verwenden sollte und meinen eigenen Backup-Prozess kurz vorgestellt.
Nachdem ich in der Zwischenzeit einige Fragen erhalten habe, was ich denn nun für Software verwende, geht es im heutigen Blogpost eben darum: Backup-Software, mein Backup-Script und Off-Site-Backup.

Crasplan

Auf den Tipp von Manny hin habe ich mir jetzt das Service CrashPlan von Code42 angesehen und in meinen Workflow integriert. Die Software selbst ist gratis und ermöglicht es jeden Tag ein Backup seiner Dateien auf eine externe Festplatte oder einen anderen Computer durchzuführen. Für knapp 5 Euro im Monat kauft man sich zusätzlich noch unbeschränkten verschlüsselten Cloud-Backup-Speicherplatz. Die Applikation tut, was sie verspricht recht gut, ist simpel zu bedienen und eigentlich recht vielseitig.

Crashplan Backup Screenshot

Für jemanden, der nur einige Gigabyte zu sichern hat, eine sicherlich Ideale Lösung, einfach und für 5 Euro eigentlich geschenkt. Auch ohne das Abo kann man auf externe Festplatten hervorragend sichern. Außerdem praktisch: Die Software läuft im Hintergrund und macht die Backups nur, wenn sie glaubt der User ist gerade nicht am Rechner um den Computer nicht merkbar zu verlangsamen. Außerdem lässt sich einstellen, wie viele CPU-Ressourcen man dem Backup maximal zur Verfügung stellen möchte.

Leider hat die Software einige kleine Schönheitsfehler, welche sie für mein Haupt-Foto Backup unbrauchbar machen:

Ordnerstruktur eines Crashplan Backups

Ordnerstruktur eines Crashplan Backups

Wie man auf dem Screenshot meines Backup-Ordners sehen kann, lassen sich die Backups nur mit Crashplan selbst lesen. Zugegeben, das stört vielleicht nur mich, doch finde ich persönlich es wichtig, dass ich an mein Backup komme, auch wenn ich keine Backup-Software habe. Sei es, weil der Rechner gestorben ist und ich nur die Festplatte ausgebaut habe, oder weil ich meine Festplatte nur kurz woanders anstecken möchte, um etwas zu kopieren. Kein sehr großer Nachteil für sicherlich die meisten Nutzer, aber ich bin da eventuell etwas paranoid.

Backups ins Netzwerk sind nicht supported.

Crashplan unterstützt zwar die Möglichkeit zu einem anderen Rechner, auf dem Crashplan läuft, zu sichern, doch direkt auf eine Netzwerk-Freigabe kann Crashplan nicht sichern. Das eliminiert ziemlich automatisch alle NAS-Lösungen. Zwar gibt es Crashplan für jede Plattform, doch auf NAS-Systemen lässt sich der Client dann leider doch nicht ausführen. Zwar gibt es einige Tricks, wie es trotzdem geht, doch diese sind mir persönlich etwas zu unzuverlässig.

Cloud,Backup ist nicht praktikabel für unsere Datenmengen

Offsite-Backups sind zwar extrem wichtig, doch sie einfach in die Cloud zu pumpen ist leider nach wie vor nicht praktikabel. Der Upload von knapp 100 Gigabyte selbst bei einer Geschwindigkeit von 10 Mbit pro Sekunde dauert mindestens 24 Stunden. In meinem Fall würde der initiale Upload meiner Foto-Daten mindestens 15 Tage bei voller Leistung in Anspruch dauern. Ganz zu schweigen davon, dass in der Zwischenzeit nix mit dem Internet anzufangen wäre, ich also definitiv mit weniger als maximaler Geschwindigkeit hochladen müsste.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass Internet-Service-Provider nicht aus Wohltätigkeit ihre Services anbieten, sondern um Geld zu verdienen. Und auch wenn mittlerweile alle mit unbegrenztem Datenvolumen werben, so gibt es doch in jedem Vertrag eine Klausel, die es dem ISP ermöglicht, dich zu kündigen, wenn du es dann doch zu bunt treibst. Wenn man bedenkt, dass ich nach jeder Hochzeit fast 100 Gigabyte an Daten zu sichern habe, so bin ich mir sicher, dass die mal dezent nachfragen würden, ob man nicht eventuell einen teureren Business-Anschluss kaufen möchte, der dann auch wirklich unbeschränkte Datentransfers im Preis vorsieht.

Mein Backup: rdiff-backup

Wie im letzten Blogpost schon kurz beschrieben, verwende ich rdiff-backup. Dabei handelt es sich um ein äußerst ausgeklügeltes Backup-Tool aus der Linux/Unix-Welt, welches aber auch für Windows verfügbar ist. Ein simpler Download genügt, und schon kann man loslegen. Der Nachteil: Es ist weder schick noch wirklich benutzerfreundlich – aber es ist simpel. Doch es hat einige entscheidende Vorteile:

Screenshot meines rdiff-backup Ordners

Screenshot meines rdiff-backup Ordners

Rdiff-backup erstellt keine arkane Ordnerstruktur, welche nur mit spezieller Software gelesen werden kann. Im Grunde erstellt es einfach eine 1:1-Kopie des Quell-Ordners im Ziel-Ordner, sodass man jederzeit mit dem Windows-Explorer Dateien wiederherstellen kann. Entsprechend praktisch: Ich kann im Notfall kurz den Backup-Ordner ins Lightroom hängen, wenn ich irgendwas brauche, ohne die Dateien wirklich wiederherstellen zu müssen.
Trotzdem speichert rdiff-backup inkrementelle Backups. Im Ordner rdiff-backup-data liegen alle gelöschten und geänderten Dateien. Diese Dateien sind komprimiert und beinhalten auch nur die Differenz zur aktuellen Spiegelung, sind dementsprechend aber auch nicht direkt per Windows-Explorer lesbar. Hier kommt die rdiff-backup-Software ins Spiel, mit der man mit einigen kurzen Befehlen auch gelöschte Dateien wiederherstellen kann.

Rdiff-backup ist open-source und natürlich gratis.

Benutzung

Rdiff-backup zu installieren ist recht einfach. Zuerst lädt man sich die Datei mit -win32.zip Endung von der rdiff-backup Webseite und entpackt diese auf seine Festplatte. In meinem Fall war dies c:\Programme\rdiff-backup. Anschließend habe ich mir eine simple Windows-Batch-Datei geschrieben, welche das eigentliche Backup startet:

m:
C:\Programme\rdiff-backup.exe --print-statistics Lightroom n:\lrbackup

Diese 2 Zeilen habe ich mit einem Text-Editor in die Datei backup.bat geschrieben. Laufwerk M ist in meinem Fall die Festplatte, auf der meine Fotos liegen, und dort liegen sie alle im Ordner Lightroom. Laufwerk N ist meine Backup-Platte und der Ziel-Ordner für das Backup ist dabei lrbackup. Ab nun reicht ein simpler Klick auf die backup.bat und schon läuft das Backup:

rdiff-backup Ausgabe nach einem Backup

rdiff-backup Ausgabe nach einem Backup

Die Syntax für rdiff-backup ist also recht simpel: <pfad-zu-rdiff-backup>\rdiff-backup.exe <quell-ordner> <ziel-ordner>
Will man an mehr als eine Ziel-Festplatte das Backup senden, muss man nur rdiff-backup mehrmals starten.

Mit dem Parameter –print-statistics erhält man am Ende der Backup-Session die äußerst nützlichen Informationen über das Backup und den Quell-Ordner, welche im Screenshot zu sehen sind. Auch im Screenshot: rdiff-backup erkennt automatisch, welche Dateien sich verändert haben und hat in diesem Fall nur 3.44 GB von meinen 1.1 Terrabyte übertragen.

Nützliche rdiff-backup Befehle:

Dateien wiederherstellen: Windows-Explorer auf und Copy&Paste. Es ist so einfach und unkompliziert!

Ältere Dateien wiederherstellen: rdiff-backup.exe -r 7D <backup-ordner>/<gewünschte-datei/ordner> <Wiederherstellungsziel>
Der parameter -r 7D sagt rdiff-backup, dass ich gerne die Datei von vor 7 Tagen hätte. Beispiel: rdiff-backup.exe -r 14D N:\lrbackup\2014\2014-08\2014-08-16 Denise Hochzeit m:\recovery

Infos zum Backup abrufen: rdiff-backup.exe –list-increments
Liefert Infos, wie viele Versionen einer Datei oder eines Ordners im Backup vorhanden sind und wie weit diese zurück gehen.

Alte Versionen entfernen: rdiff-backup –remove-older-than 3W –force <backup-ordner>
Rdiff-backup wirft standardmäßig nie etwas weg, ich jedoch schon. Nach jedem Shooting lösche ich einige Fotos, welche definitiv unbrauchbar sind. Habe ich mich vertan, kann ich sie immer noch aus dem Backup wiederherstellen. Doch nach einigen Wochen bin ich mir dann doch recht sicher, dass ich sie nie mehr brauchen werde. Entsprechend lasse ich direkt nach dem Backup rdiff-backup –remove-older-than laufen, der alle Änderungen/Löschungen an Dateien, die mehr als 3 Wochen zurückliegen, verwirft.

Automatisieren des Backups: Windows Task Scheduler

Wer sich jetzt denkt: Jeden Tag auf die backup.bat Datei drücken ist zuviel Aufwand, hat natürlich vollkommen Recht. Ich bin ein fauler Mensch, dementsprechend macht das mein Rechner für mich. Hier die Anleitung, wie man das recht simpel einstellen kann.

Zuerst geht man auf die Systemsteuerung und öffnet die Verwaltung. Der erste Punkt sollte direkt die Aufgabenplanung sein.
Hier geht man einfach auf Aktion, Neue Aufgabe erstellen

Unter der Registerkarte Allgemein ist es nur wichtig anzuhaken: „Unabhängig von der Benutzeranmeldung ausführen“.

Allgemeines Tab des Task-Erstellen Prozesses

 

Unter der Registerkarte Trigger kann man dann die Bedingungen auswählen, welche den Task starten. In meinem Fall ist die Aufgabe so geplant, dass sie täglich um 3:00 Morgens ausgeführt wird.
Anschließend geht man unter Aktionen, wählt Programm ausführen und gibt das backup.bat Skript ein:

task-scheduler-aktionen

Am Bedingungen-Tab wählt man nun aus „Computer zum Ausführen der Aufgabe reaktivieren“ und schon wacht der PC jeden Tag um 3 von selbst auf und macht das Backup.

task-scheduler-energie

Das wars, nun noch über den Task-Scheduler selbst mal manuell den Backup-Task starten und testen, ob alles läuft und schon kann man beruhigt schlafen. Eventuell sollte man in den eigentlichen Energieoptionen einstellen, dass der Computer nach 30 Minuten wieder in den Ruhezustand geht um keinen Strom zu verschwenden, aber das war es auch schon. Für ein Linux/Unix-Tool gar nicht mal so kompliziert, oder?

Ich hoffe, ich konnte euch hier einige Ideen für ein ordentliches Backup liefern, ich bin mir aber sicher, es gibt noch viele andere gute Backup-Tools. Vor allem alternativen zu Crashplan gibt es wie Sand am Meer. Wenn ihr bessere Systeme kennt oder Fragen habt, bitte hinterlasst doch einfach ein Kommentar.

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