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Datensicherung für Fotografen – Was man wissen sollte

Festplatte © Daniel Hölbling-Inzko

Hallo,

aus gegebenem Anlass gibt es heute einen Blogpost zum Thema Datensicherung, was man darüber wissen sollte und warum ich von RAID Systemen abrate.

Eine große Umstellung für mich als Softwareentwickler waren die riesigen Datenmengen, die bei digitaler Fotografie zusammenkommen. Sämtliche Daten, die ich in den letzten 15 Jahren meiner Karriere als Softwareentwickler erstellt habe, gehen völlig problemlos auf einen USB-Stick mit 32 GB Kapazität bzw. lassen sich leicht über mehrere Cloud-Dienste für die Ewigkeit speichern.

Wer eine halbwegs moderne Kamera sein Eigen nennt, weiß dass dies auf die Fotografie definitiv nicht zutrifft. Selbst wenn man nur JPEG fotografiert, hat man nach einem kurzen Urlaub mehrere Gigabyte an Daten zusammen. Sobald man auf RAW umsteigt, sind es nicht mehr 5 Megabyte pro Foto, sondern gleich 25, und wehe man erlaubt sich eine 16-Bit Retusche in Photoshop und schon hat das gleiche Bild 100 MB (meist auch gleich 600, wenn man ein paar Ebenen hat).
Entsprechend dauert es auch nicht besonders lange, bis die eingebaute Festplatte des Rechners voll ist, und man sich nach Größerem umsehen muss.

Große Festplatten sind mittlerweile relativ günstig, eine 4 Terrabyte (4000 Gigabyte) Festplatte kostet zwischen 150 und 200 Euro und bietet genug Platz für eine lange Zeit. Doch mit einer großen Festplatte ist es noch lange nicht getan.
Viel wichtiger als die Festplatte selbst ist nämlich die Frage nach der Datensicherung, falls die Festplatte mal beschädigt ist!

Was gibt es eigentlich für Bedrohungen für meine Daten? Kaputte Festplatte erscheint irgendwie logisch, doch was passiert, wenn ich aus Versehen den falschen Ordner gelöscht habe oder die Bildbearbeitungssoftware beschädigt eine RAW-Datei? Festplattenfehler sind bei weitem nicht die einzigen Feinde der Daten – und entsprechend sind Lösungen, die nur Festplattenfehler verhindern, nicht unbedingt sinnvoll.

RAID-Systeme sind KEIN Backup

Denn oft genug liest man von Fotografen, die sich eine tolle NAS-Lösung kaufen, 2 Festplatten ins RAID packen und damit glauben das Thema Backup abgehakt zu haben.
Doch so einfach ist das leider doch nicht. RAID-Systeme gibt es in vielen Varianten, aber was alle gemeinsam haben, ist dass es im Grunde reine Spiegelungen der Platte sind.
Was auf die eine Festplatte rauf kommt, steht dann auch auf der anderen. Löscht man auf der einen Festplatte irgendetwas, so löscht man es automatisch von beiden Festplatten.
Somit sichert einen zwar ein RAID gegen den Ausfall einer Festplatte ab, doch wenn man aus Versehen etwas löscht oder die Software versagt, ist es trotzdem weg.
RAID-Systeme werden eigentlich dazu genutzt um reibungslosen Betrieb sicherzustellen, obwohl eine Festplatte ausfällt – ein sehr wichtiger Aspekt bei Netzwerkdiensten oder bei Servern. Doch als Fotograf kann ich sehr gut damit leben, wenn ich mich eine Stunde mit meiner Festplatte beschäftigen muss, bis ich wieder arbeiten kann.

Die Alternative und bei weitem empfehlenswertere Methode ist es einfach Kopien der Daten zu erstellen auf einer anderen Festplatte. Dafür gibt es viele Software-Lösungen, welche zum Teil gratis sind (z.B. Windows Backup oder Time Machine am Mac) oder kostenpflichtige Systeme wie etwa Acronis Backup. In jedem Fall: Ausprobieren und verwenden, was einem persönlich zusagt – ich für meinen Teil verwende eine Open-Source Lösung namens rdiff-backup.

Diese habe ich so eingestellt, dass jeden Tag um 03:00 in der Früh der Computer aus dem Ruhezustand erwacht und alle Fotos, die sich seit dem letzten Backup verändert haben, auf eine zweite Festplatte kopiert werden. Sobald dies abgeschlossen ist, werden die Änderungen außerdem auf meinen Netzwerk-Server kopiert für den Fall, dass z.B. ein Blitz den gesamten Computer mit primärer und Backup-Festplatte beschädigt. Wenn eine Festplatte kaputt geht, verliere ich zwar alle Daten des aktuellen Tages, aber ich bin auch abgesichert gegen Fehler, die ich eventuell während des Tages mache.

Wie vielleicht schön langsam klar wird, die optimale Lösung wäre natürlich ein RAID für die aktuelle Arbeitsplatte (damit man weiterarbeiten kann, falls etwas ausfällt) plus ein doppeltes Backup. Doch dafür ist mir das Geld ehrlich gesagt zu schade. Es ist schon teuer genug jeden Gigabyte, den man effektiv zur Verfügung hat, 3x kaufen zu müssen.

Also wie sieht meine Backup-Strategie aus?

Ich fotografiere mit 3 Lexar CF Speicherkarten. Nach jedem Shooting wird die aktuelle Karte aus der Kamera sofort auf den Rechner geladen und kommt erst wieder in die Fototasche, nachdem die Daten auch im Backup gesichert worden sind.
Somit ist der einzige Zeitpunkt, an dem die Daten nur auf einem Medium gespeichert sind, während des Fotografierens bzw. auf dem Heimweg zum Rechner. Alles danach ist mindestens doppelt gesichert. Über Nacht läuft dann mein Backup-Prozess, welcher jede Änderung an den Dateien für 3 Wochen aufbewahrt. D.h. verliere ich heute eine Datei, so bleiben mir 3 Wochen Zeit um dies zu bemerken, bevor sie endgültig aus dem Backup fliegt. Nach 3 Wochen bleibt nur die aktuelle Version der Datei übrig, was jedoch völlig ausreichend ist für den Fall eines Festplatten-Fehlers.

Liste der inkrementellen Versionen meines rdiff-backup

Liste der inkrementellen Versionen meines rdiff-backup

Ein großer Vorteil von rdiff-backup ist für mich, dass es keine Software benötigt um Dateien wiederherzustellen. Der aktuelle Stand des letzten Backups ist wirklich einfach nur eine Kopie, welche ich im Notfall per Windows Explorer wiederherstellen könnte oder auf externe Festplatten kopieren kann. Trotzdem legt rdiff-backup einen zusätzlichen Ordner an, in dem in einem speziellen Format alle Änderungen der letzten Wochen abgelegt sind und es ist so schlau nur Änderungen zu übertragen, sodass mein Backup normalerweise innerhalb weniger Minuten abgeschlossen ist. (Nicht auszudenken, wenn ich jeden Tag über Nacht 1-2 Terrabyte Daten kopieren müsste.)

Abschließend bleibt zu sagen: Testet eure Backups! Erst wenn ihr euch 100% sicher seid, dass ihr das Backup auch im Ernstfall wiederherstellen könnt, ist es wirklich ein Backup. Viele übersehen das und merken erst, wenn die Festplatte kaputt ist, dass das Backup bereits seit einem halben Jahr nicht mehr funktioniert hat!

lg Daniel

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